Jona Jakob - Aschaffenburg

Thema Gespräche

Hier finden Sie Reflexionen über Gespräche und Gesprächsarten. Gedanken, was genau nun wirkt, wenn man sich bewusst begegnet und austauscht. Raum für Gespräche.

17.12.2018 07:04

Weihnachtsgedanken nach dem 3. Advent Treffen im Raum für Gespräche.

Am 3. Advent fand bei meiner Liebsten und mir in Aschaffenburg ein Weihnachtshöck statt. Es war Open House, ein Kommen und Gehen. Hierzu sind mir, berührt von den Momenten, meine Gedanken wichtig ...

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3. Advent - Open House.
Lieben Dank an unsere Gäste, wir haben die Begegnungen und Gespräche sehr genossen. Dass ich morgens noch Schnee schippen musste, ... bitte gerne :-). Wir hoffen, ihr seid alle gut nach Hause gekommen. Danke für eure Mitbringsel und Geschenke ... und natürlich für das Besteck ;-)

Ein paar Worte von mir:

Nichts zählt, weder der Raum, noch die Speisen, die Deko oder die Zeit der Vorbereitung. Geld und etwas Erfahrung machen das möglich.

Was mir dem gegenüber ALLES ZÄHLT, sind die Begegnungen. Dieser Zeitmoment im Miteinander. Man läuft wie zwei Wellen aufeinander, noch an der Garderobe oder beim Eingang stößt sich diese Wucht hoch und glättet sich erst, wenn wieder hingesessen, sich vielleicht freudestrahlend aber schweigend anschauend, ein Getränk wird bereitet, es geht los, wer bist du? wo kommst du her? was bringst du mit? Erzähl! Und dann will ich zuhören.

Es waren alle da, die Altbekannten, die Neubekannten, die Freunde des Hauses, auch die Unbekannten, die Erstbegegnungen, die ErsterzählerInnen.

Gespräche sind wie Werbung: sie soll informieren, animieren, vervollständigen, Bedürfnisse wecken und last but not least in Erinnerung rufen. Gespräche bestätigen ganz viel. Und etwas, was ich liebe: Gespräche vervollständige mein Bild, einem Puzzle gleich. Ich schaue über Jahre Menschen zu und so ein Gespräche ist wie der Sand zwischen den Pflastersteinen. Es verdichtet, stärkt, beruhigt, heilt, macht vollständig - Dich und mich.

Maja sah ich zuletzt an meinem 49. Geburtstag unter der grossen Eiche im LiLu am Main in Frankfurt. Das sind nun sieben Jahre. Anna-Katharina, nach langen zwei Jahren fanden wir uns wieder in unserer ganz eigenen Nähe, die wir seit der Coachingausbildung können. Markus kam von Stockstadt zu Fuß über den Park Schönbusch, schier 'gepilgert', würde ich meinen. Moni und Gianni aus Aschaffenburg, sie für die Haare er für Italienische Küche, von Herzen schöne Kontakte. Und die älteren Herrschaften unserer Nachbarschaft, die wollen nächsten Sonntag nach der Kirche kommen. Guido, Jutta, Jürgen ... auch Phibi fand nach unserem Urlaub wieder zu uns nach Hause.

Die Gespräche wechselten ab, die Gesprächspartner auch. Es war ein friedliches Miteinander. Und es traten Themen hervor, die Offenheit zeigte sich, die Herzen wurden gewärmt und das Vermögen, ein Mensch zu sein, wurde möglich.

Der Zauber solcher Anlässe liegt mE nicht in den glänzenden Weihnachtskugeln. Diese ersetzen nichts. Vielleicht mögen sie hier und da etwas verstecken oder cachieren, doch für mich liegt der wahre Glanz darin, dass sich mir ein Mensch zeigt, hervortritt und ganz im kirchlichen Sinn 'wahrhaftig' wird.
Ich bin keinesfalls kirchlich erzogen. Das verunmöglicht es mir aber nicht, Mäeutik, die sozusagen philosophische, coachende 'Hebammenkunst' mit dem Bild der Kindsgeburt zu Bethlehem, in seiner Krippe, gleichzusetzen. Was gestern im Licht aller Glanzbilder stattfand, war dieses Hervortreten als Mensch.

Mehr geht. Zu erreichen ist mE jedoch erst einmal dieses.

Ich danke - oder wie die "Merkel" sagen würde *kleines Wortspiel*: "Es ist mir eine Ehre."


Bild: Jona Jakob privat, per iPhone, 2018

16.11.2018 03:52

Einen Partner haben

Wer die Gelegenheit auf ein Gespräch hat, hat schon einen Partner.

(c) Jona Jakob, 2018

08.11.2018 16:33

Dialogische Gespräche / Wie sich der Bezug in Communities (XING) verändert

Mein XING-Beitrag vom 08.11.2018 - Gruppe Niebelungen - Odenwald

(eingefügt)

Ein Verfahren, welches ich früher in XING geliebt habe (Gruppen für Schreiben und Philosophie, Hochbegabung und Scheitern), es aber irgendwie ausgestorben ist, da vermutlich zu anstrengend:

Dialogische Kommunikation (durch führen des Threads):

Ich z.B. "antworte auf Ihren Beitrag, indem ich direkt auf Ihren Beitrag Bezug nehme".
Das ist mE killing, wir kommen so selten wirklich weiter, auch verläuft sich der Thread vom Kernanliegen weg.

Beim dialogischen Beitragen trage ich OHNE viel Bezug zu vorher gegebenen Beiträgen bei. Mein Beitrag kann also in höherem Grad vorne und hinten keinen Bezug "aufgenommen" haben, steht einfach für sich. Das geht schriftlich in Communities aber auch als geordnetes Gespräch mit Spielregeln mündlich.

Das tun nun alle anderen auch, jeder für sich. Jede und jeder trägt bei, was ihr/ihm gerade zum Thema in den Sinn kommt, egal ob es passt oder sich chronologisch einfügt. Bildlich gesehen legt man einen Haufen bunt gemischter Mikado-Stäbchen (ja, hinlegen, nicht aufnehmen :-)

Niemand erwartet, dass auf "seinen" Beitrag jemand Bezug nimmt (das ist das schwer Auszuhaltende daran). Zum Schluss liegen eine Zahl Beiträge zum Thema vor. Meist wird vom Thema erst einmal kaum abgewichen und wenn doch, dann nur einen Beitrag lang.

Doch die Vielzahl von Beiträgen ergibt in einem selbst eine ganz eigene neue Antwort. Niemand hat Recht oder liegt falsch. Es gibt keine Rechthaberei, kein Verrennen. Man kann den Thread auch nach langer Zeit wieder anstoßen. Und meist lesen sich solche Threads auch für späte Leserinnen und Leser interessanter.

Solche dialogische Gespräche besuchte ich abendfüllend in Frankfurt bei Frau Mag. Edeltraud Kruse.

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Jetzt hat der Mensch das Bedürfnis nach Bestätigung, nach Kontakt und Miteinander und solche dialogischen Gespräche oder Threads bieten das auf den ersten Blick nicht wirklich an - sie befriedigen diese Bedürfnisse nicht direkt.

Aber z.B. mit Herrn Felix Mustermann bin ich seit über 10 Jahren in XING verknüpft. Auch ohne jede große Kontaktaufnahme sind wir längst gut miteinander verbunden. Ich war nicht immer seiner Meinung, es gab Zeiten, da musste ich ihn mir wegschalten. Aber dann habe ich das wieder aufgeschaltet und dann gerne wieder verfolgt. Was mir wichtiger wurde: Er schreibt immer noch. Er trägt bei. Es wurde für mich immer herzlicher, zum Geburtstag zu gratulieren oder gute Gesundheit zu wünschen. Respekt wuchs, seine Vielseitigkeit erstaunte mich immer wieder. Und sein Frühaufstehen, welches nicht einmal ich übertreffen konnte.

Die mir wichtige Verbindung wuchs indirekt. Sie ist nicht ein Konstrukt aus Höflichkeit, Bezugnahme oder direkter Kommunikation. Die Verbindung, die mir wichtiger wurde, ist eine Art bestehende und beständig wachsende Qualität der Verinnerlichung. Ich würde, glaube ich, sofort losfahren, um ihm - stets noch sehr unbekannt - wobei zu helfen. Es entsteht Verbindung und Vertrautheit, so etwas wie Gewähr. Und bei Ihm ist es leicht, scheinen wir in vielem selbe Werte zu leben.

Aber was mir bei solchen "dialogischen Gewächshäusern" zuteil wurde: Ich verstand mit der Zeit auch Personen, mit denen ich das Heu gänzlich und nie wirklich auf der selben Bühne hatte oder heute noch nicht habe. Dennoch kann ich deren Sein und Sichtweise stehen lassen. Sie wurden mir zu einer "auch möglichen Betrachtungsweise, die nicht meine sein muss, die man aber vertreten kann".

Wenn man sich dann begegnet, frage ich nicht nur: "Wie geht es?" - ich frage auch: "Wie weit sind Sie mit Ihrem Standpunkt / Anliegen / Meinung / Haltung / Lebensweise / etc. gekommen? Was wurde daraus? Was hat sich ergeben? Was ist das für Sie heute?" ... und an dieser Stelle spätestens spürt jener Mensch, dass ich ihn gesehen habe und ihm vielleicht näher bin, als sie oder er das je gedacht hätte.

Jona Jakob, 8.11.2018 / XING